Tiddukla n Tmezga

Masirischer Nordafrika Verein e. V

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4. Deklaration: Solidaritätserklärung mit den Hungerstreikenden von Tizi-Ouzou

 

Seit dem 3. Dezember 2002 befinden sich die bekanntesten Delegierten der Bürgerbewegung der Kabylei - Belaïd Abrika, Mohamed Nekkah, Rachid Allouache, Mouloud Cheheb, Lyes Makhlouf und Tahar Allik – im Hungerstreik. Sie wollen damit gegen ihre brutale Verhaftung und Verschleppung aus dem Tribunal von Tizi-Ouzou (Landeshauptsadt der großen Kabylei) und ihre illegale Inhaftierung ohne Gerichtsurteil protestieren.

 

Sie wurden nach den Kommunalwahlen vom 10. Oktober 2002 festgenommen, als sie ihre Solidarität mit inhaftierten Mitgliedern der Bürgerbewegung - die zum Boykott aufgerufen hatte - im Gerichtssaal von Tizi-Ouzou ausdrücken wollten: Die Machthaber wollten sich, wegen des erfolgsreichen Boykotts der Kommunalwahlen in der Kabylei, an die aktivsten Delegierten der Bürgerbewegung rächen. Dadurch sollte die Bürgerbewegung geschwächt und lokal gehalten werden: Das Regime hat Angst vor einem Flächenbrand!

 

Der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden hat, angesichts der Länge des Hungerstreiks (40 Tage!), der sehr schlechten Haftbedingungen (Einzelhaft!) und der Behandlung der politischen Gefangenen durch das Gerichtspersonal, einen kritischen Zustand erreicht. Die Appelle der Freunde und Angehörigen an die Gefangenen, mit dem Hungerstreik aufzuhören und ihr Leben zu retten, weil man sie lebendig braucht und nicht tot, haben nicht das erhoffte Ergebnis erreicht. National und international haben tausende von Unterzeichnern aus allen Gesellschaftsschichten Petitionen unterschrieben, damit die Machthabetr die politischen Gefangenen frei lassen. Es herrscht Funkstille! Es wird leider mit dem Schlimmsten gerechnet.

 

Die Forderungen der Bürgerbewegung der Kabylei wurden in der sogenannten "Plattform von El Kseur " am 11. Juni 2001 zusammengefasst. Um dieser Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurden seitdem mehre friedliche Demonstrationen sowohl in der Kabylei als auch in der Hauptstadt Algier organisiert, die mehrmals hunderttausende Demonstranten auf die Straße brachten und allerdings aufgrund gezielter Provokationen seitens der "Sicherheitskräfte" manchmal mit Straßenschlachten endeten.

 

Besonders beunruhigend für de Machthaber ist die Tatsache, dass die Bürger der Kabylei nicht nur die Anerkennung ihrer kulturellen Rechte (Anerkennung der masirischen Sprache als offizielle Sprache Algeriens), sondern auch die Achtung ihrer politischen und sozialen Rechte als algerische Bürger fordert. Z.B. fordert der Punkt 11 der Plattform von El Kseur "das Stellen aller ausführenden Funktionen des Staates (Exekutive) der Sicherheitskräfte unter die wirksame Autorität von demokratisch gewählten Instanzen."

 

1/ Der MNV solidarisiert sich völlig mit den Zielen der Bürgerbewegung der Kabylei und fordert von der algerischen Regierung die Erfüllung der Forderungen der Plattform von El Kseur.

 

2/  Die Inhaftierten befinden sich in Lebensgefahr. Der MNV appelliert an alle demokratischen Kräfte in Deutschland, Druck auf die algerische Regierung zu üben, um die Delegierten, die illegal in Haft gehalten werden, freizulassen.

 

3/  Der MNV bedauert das Schweigen der deutschen Medien hinsichtlich einer friedlichen Volksbewegung, deren grundsätzliches Ziel die Verwirklichung einer Demokratie ist.

 

Nachwort: Wir sind erleichtert zu erfahren, dass der Hungerstreik nach 41 Tagen von den Inhaftierten unterbrochen wurde, weil „sie einen Kampf weiter zu führen haben“.