Gemeinsame Veranstaltung von MNV und MVTKS am 5. Mai 2007 in der Aula der Fachhochschule Frankfurt am Main

 

Der Masirische Nordafrika Verein e.V.(MNV) und der Marokkanischer Verein für die Tamazight-Kultur und Soziales e.V. (MVTKS) haben am 5. Mai eine Diskussionsveranstaltung durchgeführt  Eingeladen als Referenten wurden Hr. Dr Belkacem A. Ouamar und Hr. Ferhat Mehenni (http://www.tiddukla.de ).

Der Vortrag in extenso von Dr. Belkacem A. Ouamar „Religion und Politik in der masirischen traditionellen Gesellschaft“ und eine Zusammenfassung des Vortrags von Ferhat Mehenni (s. Vorstellung von Ferhat Mehenni sind unter der Rubrik Themen /Artikel zu lesen (http://www.tiddukla.de ).

PS: Die Veranstaltung wurde durch das Amt für Multikuturelle Angelegenheiten (AMKA) unterstützt.

 

 

Religion und Politik in der masirischen traditionellen Gesellschaft

 

 

Mit dem Begriff „traditionelle Gesellschaft“ meine ich die masirische Gesellschaft, vor der Zerstörung der Autonomie verschiedener masirischen Volksgruppen durch die Kolonialmächte Frankreich und Spanien. In Algerien wurde die Kabylei nach einem besonders grausamen Krieg 1857 durch die Franzosen besetzt. Die Tuareg haben ihre Unabhängigkeit  nach der Schlacht von Tit 1902 verloren. Im Marokko kam es nach der Unterzeichnung des Protektoratsabkommens 1912 zu einem Krieg gegen die autonomen masirischen Volkgruppen, die ca. zwei Drittel des Landes bewohnten. Im Rifgebirge mussten die von Abd-El-Krim geführten Masiren gegen eine Koalition von Spaniern, Franzosen und dem marokkanischen Makhzen  kämpfen. Nach dem entscheidenden Sieg von Anwal und andere militärische Erfolge ließ Abd-El-Krim eine „Rifrepublik 1923 ausrufen. Diese Republik dauerte zwar nur 3 Jahre – sie wurde unter Einsatz von Flugzeugen und Kampfgas made in Germany niedergeschlagen - aber sie ist noch immer lebendig in der Erinnerung der Rif-Bevölkerung geblieben. Nach der Zerschlagung der Rifrepublik ging der Krieg gegen andere autonomen masirischen Regionen Marokkos bis 1936 weiter.

In Algerien wie in Marokko lebten die masirischen Volksgruppen ohne Staatsstrukturen. Wie waren sie organisiert? Sie bestanden aus Stämmen bei den Nomaden oder aus  sogenannten Dorfrepubliken bei den Sesshaften. Diese waren in mehrere Segmente, fünf in der Regel untergeteilt. Diese Segmente gliedern sich wiederum in mehrere Subsegmente, die sich in mehrere Fraktionen teilen, bis auf die ebene der elementaren Familie. In einem solchen System gibt es keine zentrale Autorität. Politische leadership“ ist nur dann möglich, wenn der Stamm oder ein Segment davon zu einer gemeinsamen Handlung aufgerufen wird. „Auf der Ebene des Stammes geschieht dies nur beim Krieg, oder wenn eine äußere Autorität für ihre eigenen Zwecke den Stamm als Verwaltungseinheit ansieht“ schreibt David Hart, und er fügt hinzu: In solchen Fällen werden Oberhäupter gewählt, wobei ein strenger Egalitarismus zwischen den vertretenen Sippen beachtet wird. Die einzigen berberischen Oberhäupter, deren Namen bekannt wurden, „waren Männer, die von äußeren Verhältnissen oder Gefahren an die macht katapultiert wurden, und sobald diese Macht in ihren Händen lag, opportunistisch genug waren, um sie zu behalten. Die Sippe der Glawi z.B., deren Repräsentant 1955 irreführend als „Führer der Berber“ von den Franzosen bezeichnet wurde, ist am Ende des 19.Jahrhunderts durch ihre Allianz mit dem Makhzen zur Macht aufgestiegen.

Charakteristisch bei den verschiedenen Volksgruppen war die Verehrung von lokalen Heiligen.

„Es sind die Marabut, die durch ihre Vermittlung den Frieden wiederherstellen. Obwohl die Kabylen über keine Gesetze verfügen, um ihre Streitigkeiten beizulegen oder die Glut ihrer Leidenschaft zu zügeln, und obwohl sie sich keinem Staatsoberhaupt unterwerfen wollen, ist dennoch ihre Ergebenheit den Marabut gegenüber erstaunlich, wenn man die oben geschilderten Züge ihres Charakters berücksichtigt“ schreibt 1833 Hamdane Khodja, ein Berater des Dey von Algier. Die Marabut waren jedoch mehr als eine religiöse Autorität. Als Nachkommen von berühmten Heiligen, deren Grabmal in der Nähe des Dorfes oder innerhalb des Stammgebietes liegt, verfügen die Marabut über magische Kräfte und beschützen die Gemeinschaft. Auf der anderen Seite spielte der Marabut keine Rolle in den Entscheidungen des Dorfes. Diese werden von der Dorfversammlung, „Tadschmait“ getroffen. Der Marabut gehörte zu einer zwar.respektierten, aber als fremd betrachteten Kaste. Diese Kaste war endogam, das heißt, dass die Marabut nur innerhalb ihrer Kaste heiraten dürfen, sie leistete keine Handarbeiten und war von der Befolgung des kabylischen Ehrenkodex „befreit“  Hamdane Khodja führte die Verehrung der Lokalheiligen auf die Ignoranz und die Borniertheit der Kabylen zurück.

Diese Meinung teilt auch die konservative Istiklal-Partei in Marokko. Nach dieser Partei habe die Verehrung der Lokalheiligen durch die „rückständigen Berberstämme“ zur Balkanisierung Marokkos und zur äußeren Einmischungen geführt. In einer Studie über „Die Berber und die Entstehung des marokkanischen Nationalismus“ machte Jean-Louis Duclos  einige Feststellungen:

Die Zahl der lokalen Mystiker und Heiligen wuchs seit dem 12. Jahrhundert. Diese haben manchmal Zawias (Sitze von islamischen Bruderschaften), die eine große Rolle  in dem sozialen und politischen leben spielten. Im Gegensatz zu den Vertretern des Makhzens, waren die lokalen Heiligen populärer Herkunft. Eine nähere Betrachtung dieses Phänomens zeige, dass die islamischen  Bruderschaften, seit der Wiederherstellung der islamischen Orthodoxie und dem Aufzwingen des strengen Malikitenritus durch die Almoraviden, eine der wenigen Einrichtungen gewesen sind, die dem Volk ein starkes Identitätsgefühl und einen aktiven Solidaritätssinn geboten haben. Die Marabut sind sich bemüht, örtliche Bräuche zu integrieren, auch wenn diese,(exstatische Tänze, Magie z.B.) von der orthodoxen islamischen Lehre abweichen. Ich möchte hier darauf aufmerksam machen, dass Archäologen festgestellt haben, dass die in ganz Nordafrika zerstreuten Grabmäler islamischer Heiligen häufig auf einem Grabmal aus der vorislamischen zeit gebaut wurden.

Jean-Louis Duclos widerlegt die Behauptungen der Istiqlal-Partei mit folgenden Argumenten:

·               die Verwirklichung der Einheit bedeutet nicht unbedingt die Erfüllung einer eigenen Identität, ohne die es keine Nation und kein Nationalismus geben kann.

·               nachdem es bekannt wurde, dass der verschuldete König mit der Zustimmung der städtischen Bourgeoisie das Protektoratabkommen 1912 unterzeichnet hatte, haben die Marabut die Berberstämme zum Dshihad aufgerufen, während die Ulema die Bevölkerung zur Unterstützung der Legitimität beschworen haben.

·               Die Befreiungsarmee, die ab 1955 eine entscheidende Rolle gegen Frankreich spielte, bestand fast ausschließlich aus Berbern.

Dagegen waren die Berber – immer laut Duclos – unfähig, eine politische Ideologie auszuarbeiten und zu formulieren. Deshalb wird ihr Nationalismus von Duclos als „emotional“ und „implizit“ gekennzeichnet.

 Wäre er nicht gescheitert, hauptsächlich aufgrund ungünstiger internationaler Verhältnisse, hätte der Aufbau einer unabhängigen Rif-Republik ein Beispiel für ganz Nord-Afrika sein können. Abd-El-Krim wurde von einem Rat von Delegierten aus allen Kantonen des Rif-Gebirges, die sowohl über die legislative, als auch über die exekutive Macht verfügte, zum Präsidenten gewählt und  mit der Führung der Regierung beauftragt. Angesichts der außergewöhnlichen Lage, erhielte er die Vollmacht für die Kriegsführung und die innere Sicherheit

 

Seine ersten Maßnahmen waren u.a.: Abschaffung der Sklaverei, Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Bürger, Abschaffung der Todesstrafe außer im falle von Spionage oder Verrat, Abschaffung der kollektiven Haftung zugunsten der individuellen Haftung.

In Algerien haben die Kabylen eine entscheidende Rolle in der  nationalistischen Bewegung und in der Befreiung Algeriens von der Kolonialmacht Frankreich gespielt. Jedoch, ein Versuch von einigen Intellektuellen aus der Kabylei eine Debatte über die Identität des künftigen Algeriens herbeizuführen, wurde 1949 im Keim erstickt, aus Furcht davor, dass es zu einer Spaltung zwischen den Masiren und den Arabern kommt. Die Parole war: Arabisch ist unsere Sprache und der Islam ist unsere Religion  1954 haben sich die Kabylen massiv in den Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich engagiert, mit einer Ideologie, die ihre Existenz und schließlich auch die Existenz Algerien als Nation negiert.. Erst 1980, 18 Jahre nach der Unabhängigkeit, ist die Frage der nationalen Identität Algeriens, nach massiven Demonstrationen in der kabylei und Algier, wiederaufgetaucht. Der „Berberfrühling“, wie man seitdem diesen Aufstand bezeichnet, ist das Ergebnis einer kulturellen Bewegung, die schon Anfang der siebziger Jahre angefangen hatte. Die Hauptakteure dieser Bewusstwerdung der Masiren, sind Schriftsteller wie Kateb Yacine und Mouloud Mammeri und einige Liedermacher und Sänger, wie Aït Menguellet, Idir, Matoub Lounes und Ferhat Mehenni.. Gemeinsamer Nenner für diese Künstler ist

zum ersten die Wiederentdeckung der masirischen Melodien und der Verzicht auf Schmuckstücken und Arabesken der orientalischen Musik

·               zum zweiten die Bedeutung der Texte, die in Vordergrund vorrücken..

·               zum dritten die Thematik: es geht nicht mehr darum, den „Zaim“ oder die Befreiungskämpfer zu huldigen, sondern die Verfälschung der Geschichte, die Korruption und die Ungerechtigkeit zu denunzieren.

·               Die volkstümlichen Lieder von Ferhat sind beispielhaft in dieser Hinsicht: in seinem satirischen Lied „Tahia berzidan“ verspottet er die Art und Weise wie die Diktatoren bei uns gewählt werden. In seinem Lied „20 Jahre Diktatur, das reicht“ ruft er zur Revolte auf. Seine lyrischen Lieder über die masirische Sprache oder die masirische Geschichte haben alle Generationen, Mann und Frau, berührt. Wie viele Kinder aus der kabylei, ist Ferhat der Sohn eines Freiheitskämpfers, der sein Leben im Kampf gegen die Franzosen geopfert hatte. Er studierte Politik an der Universität von Algier, bevor er ist dem Kampf für die Anerkennung der masirischen Sprache und Kultur widmet. Sei Engagement, sei es als Liedermacher oder Politiker, oder auch als Menchenrechteverfechter hat ihn mehrmals ins Gefängnis gebracht. Trotz zahlreicher Verhaftungen und Drohungen ließ sich Ferhat weder einschüchtern, noch kaufen. Über sine politische Entscheidung wird er selbst berichten.

 

Dr. Belkacem A. Ouamar

(Vorgetragen am 5. Mai 2007 in der Aula der Volkshochschule Frankfurt am Main.)

 

 

 

Ferhat Mehenni:

Sinn und Ziele der Bewegung für eine autonome Kabylei (Zusammenfassung).

 

Der engagierte Liedermacher und Politiker Ferhat Mehenni hatte sich nach den Ereignissen von 2001/2002  entschieden, den politischen Kampf für eine autonome Kabylei zu führen. In seinem Vortrag hat er zunächst die Gründe seiner Entscheidung erläutert. Was ist 2001/2002 passiert? Nach der Ermordung eines kabylischen Gymnasiasten (Link Bürgerbewegung einfügen), der für Demokratie und Anerkennung der masirischen  Sprache demonstrierte, kam es in April 2001 zu Massendemonstrationen in der Kabylei gegen die Methoden der Gendarmen und die korrupten Machthaber.. Am 14. Juni 2001 haben die Kabylen in der Hauptstadt Algier die größte Demonstration nach Algeriens Unabhängigkeit veranstaltet. Nach Berichten von algerischen und französischen Zeitungen wurden Ausschreitungen von der Regierung geplant und von Provokateuren durchgeführt. Vermeintliche Gegendemonstranten haben mit Parolen wie „wir haben es satt von den Kabylen“ die Bewohner von Algier gegen die Demonstranten gehetzt.

Die erste Feststellung Ferhats, der seit den siebziger Jahren sein Leben für Freiheit, Demokratie und die Anerkennung der Volkssprachen Masirisch und Volksarabisch riskiert hatte, war die mangelnde Solidarität der übrigen Algerier. Im besten Fall hat die algerische Bevölkerung tatenlos zugeschaut, als die Kabylen in Algier verfolgt wurden und die Gendarmen einen regelrechten Krieg gegen die Zivilbevölkerung der Kabylei monatelang führten.  Ferhat kam zu der Erkenntnis, dass die Kabylen, durch ihren Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und einen laizistischen Staat eine Ausnahme in Algerien und sogar in Nordafrika bilden. Er kam auch zu der schmerzhaften Erkenntnis, dass die bisher erstrebte Einheit der Masiren eine Illusion war. Die Masiren sind verschieden, historisch, soziologisch, und sogar linguistisch, obwohl sie gemeinsame Grundlagen haben.

Der einzige Ausweg für die Kabylei aus der heutigen Sackgasse ist, nach Ferhat, statt wie bisher sich für Fürsprecher der ganzen Algerier oder der ganzen Masiren auszugeben, eigene Ziele im Rahmen eines autonomen Staates zu verfolgen. Diese Bürgernahe Lösung würde den Kampf gegen die Korruption erleichtern und die Manipulation der übrigen Bevölkerung durch die Beschwörung der nationalen Einheit gegen den „kabylischen Separatismus“ – wie es mehrmals in der Geschichte Algeriens in Krisensituationen der Fall war – aushöhlen.. Last but not least, Ferhat äußerte die feste Überzeugung, dass - in Nordafrika wie auch in ganz Afrika- moderne Demokratie niemals verwirklicht werden kann, solange die einzelnen Regionen von nachkolonialen künstlichen Staatsstrukturen abhängig sind. Grund dafür: die Bürger wählen nicht nach politischen, sondern nach ethnischen oder Regionalistischen Kriterien. Beweis dafür: Die von Kabylen gegründeten demokratischen Parteien FFS und RCD werden nur von Kabylen unterstützt, obwohl sie nationale Ziele anstreben. Deshalb ist -laut Ferhat- eine autonome Kabylei auch die einzige Chance, irgendwann Demokratie im Rahmen einer algerischen oder nordafrikanischen Bundesrepublik zu verwirklichen.

 

(Nach dem Vortrag von Ferhat Mehenni am 5. Mai 2007 in der Aula der Volkshochschule Frankfurt am Main):

 

 

 

 

 

 

 

Diskussionsveranstaltung mit Hr. Ferhat Mehenni und Hr. Dr. Belkacem A. Ouamar in Frankfurt/Main am 05 Mai 2007:

 

1.              Vortragsthema von Herrn Dr. Belkacem A. Ouamar:

·         Politik und Religion in der traditionellen masirischen Gesellschaft.

Anschließend Einführung zum Vortrag und Präsentation von Herrn Ferhat Mehenni.

 

2.              Vortragsthema von Herrn Ferhat Mehenni:

·         Kulturelle und politische Lage in der Kabylei sowie Vorstellung seiner Bewegung MAK (Mouvement pour l´ autonomie de la Kabylie: „Bewegung für eine autonome Kabylei“).

 

Ferhat Mehenni (Ferhat Imasiren 1) Imula 2))

Ferhat Mehenni ist am 05.03.1951 in Illula in der Kabylei/Algerien geboren. Er ist ein engagierter Liedermacher und algerischer Politiker kabylischen Ursprungs. Ferhat hat Politikwissenschaften an der Universität von Algier Anfang der siebziger Jahre studiert. Er hat mit seiner Musikgruppe „Imasiren Imula“ 1973 den ersten Preis des Festivals für moderne Musik in Algier gewonnen.

Er begann sodann seine Karriere als Protestsänger und engagierter Liedermacher, als Widersacher zum algerischen Regime und zu den Islamisten. Seine Lieder waren und sind bei den Kabylen sehr beliebt. Er trug und trägt heute noch dazu bei, daß die Kabylen selbstbewusster geworden sind und sich verstärkt zu ihrer Kultur bekennen und auf ihren Ursprung und Geschichte besinnen. Anfang der 70er Jahre legten die Machthaber das Fundament für die Zwangsarabisierung des Landes. Diese Politik, die intensiv in den berberophonen Regionen war, ruinierte das algerische Schulsystem bis heute und legte die Grundsteine für eine Verstärkung des politischen Islams und Radikalisierung solcher Kräfte.

Ferhat wurde 1977, wegen Gründung einer nicht erlaubten Vereinigung und auch wegen seiner Lieder, verhaftet und anschließend ca. 12 Mal. Er gehörte zu den Leitfiguren und Gründern des MCB 3), die nach den Unruhen im April 1980 in der Kabylei ins Leben gerufen wurde (der so genannte Masirischer Frühling, s. dazu www.tiddukla.de). Er setzt sich unermüdlich für die Tamasirt Kultur und Sprache sowie für die Rechte der Frauen und der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Der verstorbene Dramaturg Kateb Yacine nannte Ferhat „Le maquisard de la chanson4).

Nach den Oktober Unruhen 1988, gründete er 1989 mit Dr. Saïd Sadi die Partei RCD5), die er 1997 verließ. Ferhat hat während seiner politischen Tätigkeit im RCD die Gitarre abgelegt!

 

Im April 2001 (genannt schwarzer Frühling, s. www.tiddukla.de) wurden ca. 125 junge Männer durch die Gendarmerie ermordet. Die Kabylei wurde wieder zum Ziel für brutale Behandlungen durch das algerische Regime. Die daraus hervorgegangenen Unruhen, geführt durch eine spontan entstandene Bürgerbewegung (s. www.tiddukla.de) dauerten 4 Jahre. Sie brachte es ca. 1,5 Mio. Demonstranten am 14. Juni 2001 zu mobilisieren!

Ferhat hat daraufhin seine bisherige Sicht der Dinge grundlegend geändert. Er ist der festen Überzeugung, daß nur eine starke Autonomie der Regionen zu einem Ausweg aus der Krise, die seit der Unabhängigkeit Algeriens im Jahre 1962 erschüttert, führen kann. Er Gründete den MAK 6) deren Sprecher er ist. Ferhat veröffentlichte ein Buch 7) und griff wieder zur Gitarre und produzierte 3 CDs.

 

Nach den Vorträgen findet eine Diskussion mit dem Publikum statt.

 

 

1)         Imasiren = Freie Menschen.                                                  

2)         Imula: Norden. (also Imasiren aus Nordafrika).

3)         Mouvement Culturel Bérbère (Berberische =masirische Kultur Bewegung)

4)         Freiheitskämpfer des Liedes.

5)         Rassemblement pour la culture et la démocratie (Versammlung für Kultur und Demokratie).

6)         Mouvement pour l´autonomie de la Kabylie (Bewegung für eine autonome Kabylei).

7)         Algérie: La question kabyle (Algerien: Die kabylische Frage).